Bitte mehr!
Die Ausführungen des Entertainers sind dem „Spiegel“ fünf Magazinseiten wert. Fünf Seiten, die absolut lesenswert sind und beispielhaft sein sollten für aufgeklärte Journalisten wie für alle Christen, die ihren Glauben entweder schamhaft verstecken oder ihn allzu protzig vor sich hertragen. Es ist ein erstaunlich freimütiges Bekenntnis zu einem „Kinderglauben“, der gut tut - ganz ohne Verkopftheit und falschen Intellekt. Vor allem Gottschalks Liebeserklärung an die Liturgie der katholischen Messe überzeugt: „So ein Te Deum mit Orgel fortissimo und Glockensturm bringt dich dem lieben Gott eventuell ein Stückchen näher als die Tasse grüner Tee mit dem Studentenpfarrer“, sagt der Moderator. Grandios, denkt der Leser und denkt an die Masse an Cordsakkos und schlechtsitzenden Bundfaltenjeans, die auf Synodentagungen zu sehen sind. Denkt an die „gestaltete Mitte“, an „Lauda to si“-Geschrammel auf der Gitarre, an angegammelte Thermoskannen und labberige Kekse, die bei Gemeinde-Veranstaltungen durch die Tischreihe gegeben werden. Zum Ende des Interviews gibt der Showmaster noch Bedenkenswertes mit auf den Weg: in jeder Kirche laufe schließlich die „Superwette“, sagt Gottschalk und spielt damit auf den tiefen Glauben an, den jeder Christ haben muss, der sein Vertrauen in etwas setzt, das er nicht mit Händen greifen, mit den Augen sehen kann.
Ein solches Interview mit solchen Aussagen mit einem Mitglied der evangelischen Kirche? Schwer vorstellbar. Als „zu naiv“ dürften die Aussagen des Gläubigen Thomas Gottschalk abgetan werden. Schade. Denn solche Aussagen, wie sie in dem Interview zu lesen sind, dürften die beste Werbung für den Glauben sein, die man sich nur wünschen kann. Deswegen: Bitte mehr! Unsere Kirche braucht mehr Menschen, die klar für sie einstehen und in einfachen Sätzen darlegen können, warum der Glaube gut tut. Egal, ob die Gläubigen prominent sind oder nicht. Vielleicht tragen die Aktionen rund um das Reformationsjubiläum dazu bei - zu wünschen ist es.
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… über Luther und seine Zeitgenossen, über Luthers Städte und Stätten, über die Reformation damals und heute. Die Reformationsdekade lädt dazu ein, den besonderen Glaubensschatz der evangelischen Kirche aufs Neue zu heben. Dabei kann es helfen, sich der eigenen Wurzeln neu bewusst zu werden.
In diesen Bereich der Internetseite werden fortlaufend weitere Informationen und Materialien eingespeist, die auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 hilfreich sein können.
